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Bericht und Bilder 2014

11. Arbeitstreffen „Ausbildung für Ausbilder in der Endodontie“

 

Bereits zum 11. Mal fand am 11./12.Juli das Arbeitstreffen der in der endodontischen Ausbildung tätigen Assistentinnen und Assistenten der deutschen Universitäten statt. Mehr als 60 Teilnehmer, die bisherige Rekordzahl, folgten der Einladung der Kolleginnen und Kollegen aus Jena, wo OÄ Dr. Muselmani und ihr Team eine sowohl interessante als auch abwechslungsreiche Tagung in tollem Ambiente organisiert hatten. Themenschwerpunkte waren „Prüfung endodontischer Leistungen“ und „Revisionsbehandlungen in der Lehre“.

Im 27. Stockwerk des JenTower mit einem atemberaubenden Blick über Jena und Umgebung begrüßten der Dekan, der Studiendekan und der Direktor der Abt. Zahnerhaltung, Prof. Sigusch die Teilnehmer aus vielen Universitäten und eröffneten die Tagung. Prof. Sigusch berichtete über die Entwicklung der endodontischen Tätigkeit in Jena und verlor einige Worte über den „Jena-Keim“ (E. feacalis). Er schloss seinen Vortrag mit einem Goethe-Zitat, welches sich auf die „Zahnerhaltung“ übertragen lasse: „Wer beschützet und bewahrt, hat das große Los gezogen“.

Die Diskussion wurde eröffnet durch einen Vortrag von PD Gerhardt-Szep (Frankfurt/M.): „Wie prüft man Endo-Inhalte entsprechend dem Nationalen Kompetenzgestützten Lernzielkatalog (NKLZ)?“ Die Referentin diskutierte die Frage, wie kompetenzbasierte Prüfungsformen aussehen könnten und ging intensiv auf Prüfungsformate wie OSCE (objektive, strukturierte klinische Prüfungen) und OSPE (objektive, strukturierte praktische Prüfungen) ein. Über das Pro und Kontra solch standardisierter Prüfungen entwickelte sich eine spannende und kontroverse Debatte mit reger Beteiligung.

PD Größner-Schreiber (Kiel) beschäftigte sich mit der Frage der „Prüfung und Bewertung endodontischer Inhalte im Phantomkurs“ und wies darauf hin, dass mit den Undergraduate Curriculum Guidelines der ESE Vorschläge für die Lehre und Durchführung von Wurzelkanalbehandlungen vorliegen. Das Endo-Modul im Kieler Phantomkurs arbeitet u.a. mit e-learning und OSPEs, objektiven strukturierten praktischen Prüfungen. Vorteile dieser Prüfungsmethode seien standardisierte Bewertungskriterien, Transparenz, neutrale Bewertung und hohe Akzeptanz des Ergebnisses durch die Studierenden. Als Negativa wurden u.a. hoher Aufwand an Zeit, Betreuungspersonal und Ressourcen genannt.

 

 

PD David Sonntag (Düsseldorf) referierte über „Neue Möglichkeiten zur elektrometrischen Längenbestimmung im Phantomkurs“. Er stellte seinen dreidimensionalen Entwurf für ein wiederverwendbares Endometriemodell für den Phantomkurs im 6. Semester vor.

Mit einem interessanten Vortrag über Motivation beim Lernen (Ritualisiertes Lernen) und den Einfluss von Prüfungssituationen (Demütigungseffekt) stellte M. Schwarzkopf (Jena) die Sinnhaftigkeit heutiger Prüfungssysteme infrage. Man müsse sich fragen, ob Lernen in der heutigen (ritualisierten) Form nicht passé sei, zumal der Lerneffekt nicht von langer Dauer wäre. Prüfungen in der heutigen Form würden die intrinsische (eigene) Motivation zerstören, es sei daher sinnvoller, Prüfungen so zu gestalten, dass sie die Selbstmotivation fördern.

Bei noch trockenem Wetter ging es am frühen Abend in einem halbstündigen Anstieg zum „Landgrafen“, einem ebenfalls hoch über der Stadt gelegenen Restaurant. Zum Ausgleich sorgte der sogleich einsetzende und auch etwas länger anhaltende Schauer für etwas Abkühlung. Es gab es ein tolles Buffet mit Entrecote und Lachs aus dem Smoker mit vielen intensiven Diskussionen und einem kollegialen Gedanken- und Erfahrungsaustausch, den einige Teilnehmer anschließend auch noch bis in den frühen Morgen weiterführten.

Der Samstag begann mit einem kurzen Besuch der Zahnklinik, die „patientenfreundlich“ mitten in der Innenstadt angesiedelt ist, und des Skillslab der medizinischen Fakultät. Medizinstudenten demonstrierten hier, an welchen Stationen in praktischen Übungen manuelle Fertigkeiten trainiert werden können, von der korrekten Händedesinfektion über Nahtübungen bis zum korrekt durchgeführten Aufklärungsgespräch mit dem Patienten.

Der Rest der Tagung stand dann, jetzt bei sonnigem Wetter, ganz unter dem Thema der „Revisionsbehandlung“ und der Frage, wie die Unis mit der Theorie und Praxis der Revisionsbehandlung in der Ausbildung umgehen. In einigen Universitäten gehören Revisionsbehandlungen (noch) nicht zum Standard.

Dr. Seidler aus Jena stellte das Konzept der dortigen Uni vor. Nach fakultativer Revisionsbehandlung am gefüllten Plastikröhrchen im Phantomkurs und begleitender Theorie folgt im 4. und 5. Studienjahr in den klinischen Kursen die Umsetzung in der Patientenbehandlung, die auch evaluiert wird. Im 4. Studienjahr hatten bereits fast 22% der Studierenden eine Revisionsbehandlung durchgeführt, im 5. Studienjahr gut 70%. Die Selbsteinschätzung der erworbenen Kompetenz ergab, dass viele Studierende sich selbst gute bis befriedigende Kompetenz bescheinigten, aber eine stärkere Berücksichtigung des Themas im Studium wünschen.

Auch in Greifswald führen die Studierenden Revisionsbehandlungen am Patienten durch, wie die dortige Oberärztin Dr. H. Steffen berichtete. Es sei aus ihrer Sicht besser, wenn die kommenden Zahnärzte dies unter optimalen Bedingungen und Aufsicht durch ausgebildete Kollegen lernten als später als Einzelkämpfer ohne adäquate Hilfsmittel in der Praxis. Es erfolgt eine Selektion der Patienten durch die Assistenten. Problematisch ist, dies wurde auch später in der Diskussion durch andere Unis bestätigt, der hohe Zeitaufwand. Schwierigkeiten treten oft bis zum Erreichen der Arbeitslänge auf, hier ist viel Hilfe durch die Betreuer notwendig, gelegentlich kommt es zur Kanalbegradigung.

Die beiden folgenden Referenten, ZA Hergt und Dr. Holscher (Göttingen) schilderten anschaulich Ablauf, Probleme und Zwischenfälle bei Revisionsbehandlungen in den beiden klinischen Kursen der Zahnerhaltung. Die Entfernung des Füllmaterials und die elektrische Bestimmung der Arbeitslänge gelingen häufig nur unter massiver Mithilfe durch die Betreuer. Mit zwei Instrumentenfrakturen in 3 Semestern und 3 Textilschäden durch die Spüllösungen hält sich die Zahl ernsthafter Zwischenfälle in akzeptablen Grenzen. Zu allen Vorträgen entwickelten sich lebhafte Diskussionen, in die die unterschiedlichen Konzepte und Erfahrungen der einzelnen Universitäten einflossen. Wie in auch in den Jahren zuvor war dieser Gedanken- und Erfahrungsaustausch ein zentraler Bestandteil der Tagung.

Für die Zeit bis zur kommenden Tagung wurden einige Projekte in Angriff genommen, für die noch weitere interessierte Mitarbeiter/Innen gesucht werden:

Erstellung eines Pools an Klausurfragen
Kontakt: Prof. M. Hülsmann, Göttingen


Überarbeitung des Vorschlags für ein Curriculum Endodontie für den Phantomkurs
Kontakt: PD Dr. Gerhardt-Szep, Frankfurt,


Entwurf eines Curriculums Endodontie für den Kurs der Zahnerhaltung I
Kontakt: Dr. T. Bimmerle, Regensburg


Entwurf eines Curriculums Endodontie für den Kurs der Zahnerhaltung II
Kontakt: PD Dr. Grössner-Schreiber, Kiel

Nicht zum ersten Mal war die AfA-Arbeitstagung angefüllt mit interessanten Vorträgen, aus denen jede/r Teilnehmer/in Impulse und Anregungen für die eigene Ausbildungstätigkeit mitnehmen konnte. Kontroverse, aber kollegiale Diskussionen gehörten ebenso wieder zur Tagesordnung wie lockerer Gedankenaustausch und geselliges Wiedersehen. Den Organisatoren aus Jena gebührt ein großes Dankeschön für die reibungslose Organisation in einem tollen Ambiente.

Der Termin für das nächste AfA-Treffen steht bereits fest: 10./11. Juli 2015 in Berlin.

Die Göttinger Teilnehmer