DGZ Logo
Termine

Jahrestagung 2016

6. Jahrestagung der DGET in Frankfurt am Main

Die sechste Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Endodontologie und Traumatologie fand dieses Jahr vom 17. bis 19. November 2016 in Frankfurt am Main statt. Bereits am Donnerstagvormittag ging es mit den Prüfungen zum Spezialisten der DGET und APW sowie einem Aktualisierungskurs der Röntgenfachkunde für Zahnärzte, geleitet von Priv.-Doz. Dr. Dirk Schulze/ Freiburg i.Br. los. Der eigentliche Pre-Congress begann am Donnerstagnachmittag und bot ein breites Programm acht verschiedener Firmenworkshops aus denen die Teilnehmer vorab einen Workshop wählen konnten. So präsentierte ZA Klaus Lauterbach/ Planckstadt zusammen mit der Firma American Dental Systems neue Feilensysteme für die dreidimensionale biologischen Wurzelkanalaufbereitung. Dr. Tomas Lang/ Essen erklärte die Self-Adjusting-File (SAF) in Zusammenarbeit mit der Firma Henry Schein. Priv.-Doz. Dr. David Sonntag übte mit den Teilnehmern die reziproke Wurzelkanalaufbereitung mit Unterstützung der Firma VDW. Parallel dazu fand ein Vorbereitungsseminar zur Spezialistenprüfung (DGET) unter der Leitung von Dr. Bijan Vahedi M.Sc./ Augsburg statt, bei dem die Teilnehmer die Anforderungen an die einzureichenden Unterlagen, das Prüfungsniveau und Literaturempfehlungen aufgezeigt bekamen. Der Tag endete mit der Mitgliederversammlung der DGET, einem Treffen der Studiengruppenleiter und einem anschließendem Abendessen der Studiengruppenleiter und Spezialisten für Endodontologie.

Mit über 450 Anmeldungen fand der Hauptkongress am Freitag in einem vollen Saal des Radisson Blu Hotels regen Anklang. Prof. Dr. Christian Gernhardt/ Halle (Saale) begrüßte die Kolleginnen und Kollegen zur sechsten Jahrestagung der DGET, die eigentlich bereits die 15. Jahrestagung der DGEndo sei, denn 2002 fand in Köln die erste Jahrestagung statt. Ein besonderer Dank ließ er Vizepräsident Dr. Bijan Vahedi zukommen, der maßgeblich Tagungsprogramm dieses Jahr gestaltet hat.. Auch in diesem Jahr konnten wieder einige Kolleginnen und Kollegen für ihre besonderen Leistungen geehrt werden. Die Prüfung zum zertifizierten Mitglied der DGET absolvierten erfolgreich: Ingo Angermüller, Dr. Michaela Buchmüller, Maike Butz, Dr. Alexander Engel, Mark Friedewald, Dr. Olaf Kling, Dr. Julia Meyer, Christian Milde, Marcel Reymus, Dr. Corinna Robbers, Dr. Mona Roos, Sophia Charlotte Schaumburg, Daniel Schwenker, DDS, Shila Shahideh-Narchi, Dr. Stephanie Theile, Karsten Troldner, Dr. Sarah Wiesbauer, Dr. Gero Winkler, M.Sc. und Dr. Carolin Witte. Somit ist die Anzahl zertifizierter Mitglieder auf über 500 angewachsen. Dr. Ralf Krug aus Würzburg wurde zum neuen Spezialisten der DGET geehrt. Anschließend wurden die Preisträger des mit 1000 Euro dotierten Dissertationspreises 2016 vorgestellt. Dr. Gerold Steinmetz/ Rohrberg erhielt den Preis für seine Arbeit: „Entwicklung einer Methode zur Bestimmung von Entzündungsmediatoren in Dentinliquor, Dentinspänen und Pulpagewebe von Zähnen mit symptomatischer irreversibler oder reversibler Pulpitis“. Dr. Matthias Widbiller/ Donaustauf überzeugte mit dem Thema: „Mineralisationsverhalten dreidimensional kultivierter humaner Pulpastammzellen auf Tricalciumsilikatzement“. Für die Dissertation „Geschlechterspezifische Aspekte der Endodontie“ wurde Dr. Theresia Maria-Jahnke/ Bremen geehrt.

 „Aktuelle technische Limitationen der DVT unter Berücksichtigung von Niedrigdosisprotokollen.“ Mit diesem interessanten Vortrag von Priv. Doz. Dr. Dirk Schulze/ Freiburg i.Br. begann der fachliche Teil des Tagungsprogramms. Die Digitale Volumentomografie gewinnt nicht zuletzt wegen der zunehmend möglichen Dosisreduktion einen immer größeren Stellenwert in der Zahnheilkunde. Der technische Ablauf einer DVT wurde den Zuhörern sehr anschaulich erläutert und auf vorhandene Problemquellen dieser Röntgentechnik hingewiesen. Dabei treten die Unterschiede der verschiedenen DVT-Gerätehersteller erst nach der Primärrekonstruktion der Bilder zutage. Sie liegen im Bereich der Bildnachbearbeitung, der Software, des Monitors und des Betrachters. Wenn mit Strahlendosen gearbeitet wird, die weniger als 50 Prozent der regulären Dosis betragen, spricht man von low-dose-Protokollen. Durch sie wird die DVT zur Basisdiagnostik werden und die geführte Implantatinsertion könnte Standard werden. Durch neue Sensoren wird eine weitere Dosisreduktion möglich werden. Für die Endodontie eignen sich Niedrigdosisprotokolle derzeit nicht.

Prof. Dr. Matthias Zehnder, PhD/ Zürich (CH) referierte zu dem Thema: „Diagnostik von schmerzenden und nicht schmerzenden Zähnen“. Die Hauptgründe für Zahnschmerzen sind eine Pulpitis oder eine Parodontitis apicalis, Erkrankungen die durch Mikroorganismen hervorgerufen werden. Die Diagnostik schmerzender Zähne erfolgt durch Kälte- und Perkussionstests, Kaltlicht zur Erkennung von Rissen sowie durch Röntgen. Schwieriger gestaltet sich die Diagnostik nicht schmerzender Zähne. Hier gilt es infizierte Zähne herauszufiltern. Apikale Parodontitiden können beispielsweise durch Röntgendiagnostik nachgewiesen werden. Wie erkennt man aber Pulpen die eine irreversible Entzündung haben? Diese Pulpen enthalten viele neutrophile Granulozyten, die wiederum für eine Gewebseinschmelzung und die folgende Freisetzung von Zytokinen, Metalloproteinasen, Elastase und Prostaglandinen verantwortlich sind. Diese Substanzen können mittels Papierspitze im Dentinfluid während der Präparation aber auch im periapikalen Fluid im Verlauf einer Wurzelkanalbehandlung nachgewiesen werden. Somit besteht ein Ansatz pulpitische Zähne vor einer geplanten Restauration zu erkennen bzw. die beginnede Heilung eines sich in endodontischer Behandlung befindlichen Zahnes zu überprüfen.

Dr. Tom Schloss, M.Sc./ Nürnberg hielt einen durch viele Fallbeispiele sehr anschaulichen Vortrag zum Thema „Endodontische Mikrochirurgie - Indikationsstellung und Methode“ Die endodontische Mikrochirurgie stellt einen durch orthograde Revisionstechniken sehr begrenzten, aber unverzichtbaren Baustein der endodontischen Therapie dar. Trotz erfolgter orthograder Revision hat die apikale Chirugie ihre Berechtigung bei weiterhin bestehender mikrobieller Infektion des Wurzelkanalsystems, bei unbehandelten Kanalverläufen, Resorptionen, Zysten, ausgedehnten Stiftaufbauten und iatrogenen Komplikationen durch vorhergehende Instrumentierung, wie zum Beispiel Perforationen, Instrumentenfrakturen, traditionelle WSR oder die Überextension von Wurzelfüllmaterial. Ergänzend zu orthograden Revisionstechniken können mit der endodontischen Mikrochirurgie vorhersagbar gute Ergebnisse erzielt werden.

Die Fragestellung des Vortrags von Dr. Clemens Bargholz/Hamburg lautete: „Gibt es Neues zur WF?“ „NEIN“, ertönte gleich zu Beginn die Antwort des Referenten. Doch statt seinen Vortrag an dieser Stelle zu beenden, ging er auf verschiedene Aspekte in der Anwendung der klassischen Wurzelfüllmaterialien Guttapercha und Sealer ein. Er erläuterte den Zuhörern die Wichtigkeit einer exakten Formgebung des Wurzelkanalsystems, um zum einen möglichst viele Mikroorganismen aus den Kanälen zu eliminieren, um zum anderen aber auch optimale Voraussetzungen für die anschließende Fülltechnik zu schaffen. Als besonders wichtig hob er die Präparation eines ausreichend großen Tapers und das apikale gauging im Verlauf der Wurzelkanalaufbereitung hervor, um die Größe des apikalen Foramens zu bestimmen. So könne eine effektive apikale Reinigung gewährleistet werden und das Risiko einer Überfüllung verringert werden.

Über aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema: „Immunantwort und regeneratives Potenzial pulpaler Zellen auf bioaktive Zemente in vitro und in vivo“ berichtete Prof. Dr. Henrik Dommisch/ Berlin. Dabei ging es speziell um die Fragestellung, wie die Vitalität der Pulpa bei Furkationsdefekten von Molaren erhalten werden kann. Nach einer tiefen partiellen Pulpotomie wurde die Pulpawunde mit MTA oder Biodentine abgedeckt. Anschließend wurde die distobukkale Wurzel entfernt. In allen Pulpen konnte in vivo histologisch vitales Gewebe nachgewiesen werden. In vitro bewirken Portlandzement, MTA und Biodentine eine Hartgewebsneubildung und die Bildung einer Dentinmatrix. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Furkationstherapie mittels Wurzelamputation und partieller Pulpotomie nach genauer vorhergehender Diagnostik eine vorhersagbare Therapieoption bietet. Die Wurzelpulpavitalität blieb über einen Beobachtungszeitraum von 5 Jahren erhalten. Dieses Projekt wurde vom DGET-Wissenschaftsfond 2015 unterstützt.

Im Anschluss diesen Vortrag erfolgte die Vergabe der Tagungsbestpreise der DGET 2016. Die Preise erhielten Dr. Alexander Kuhr/ Leezen für die beste klinische Fallpräsentation („Endodontische Behandlung eines oberen Schneidezahnes mit kombinierter externer/interner Resorption“) und Dr. Kazhal Moradi/ Dresden für die beste wissenschaftliche Studie („Biocompatibility of Irrigants for Regenerative Endodontics: NaOCl vs. MTAD on monolayer and spheroidal human dental pulpcells“). Den Wissenschaftsfond 2016 erhielt ZÄ Lisa-Marie Lang/ Würzburg für ihr Forschungsprojekt: „Langzeitprognose nach adhäsiver Fragmentbefestigung bei Zähnen mit Kronen-Wurzel-Fraktur“.

Zum Abschluss des Tages referierte Dr. Frank Paqué, M.Sc./ Zürich (CH) über die „Aufbereitung komplexer Wurzelkanalstrukturen – was wir aus Mikro-CT-Studien lernen können.“ Obere Prämolaren können zu über 24 Prozent zwei Wurzelkanäle aufweisen. In ersten Oberkiefermolaren stellen sich zu 93 Prozent, in zweiten Oberkiefermolaren zu 60 Prozent zwei mesiale Wurzelkanäle dar, wobei der zweite mesiobukkale Kanal häufig im unteren Drittel stark nach palatinal abknickt. In Unterkiefermolaren kann manchmal ein mittlerer mesialer Kanal nachgewiesen werden. Mikro-CT-Studien helfen uns durch Kenntnis solch komplizierter Kanalstrukturen, den apikalen Anteil instrumentell besser zu erreichen.

Eine restlos ausgebuchte und durch die Firma Morita unterstützte Abendveranstaltung fand im Lokal Mantis Roofgarden in der Frankfurter Innenstadt statt. Bei milden winterlichen Temperaturen, Barbecue und Livemusik feierten die Kolleginnen und Kollegen bis in die späten Nachtstunden.

Die Hauptvorträge am Samstag wurden von Referenten aus dem europäischen Ausland bestritten. In seinem Vortrag: „Systemic Disease and Endodontics“ diskutierte Prof. Dr. Juan J. Segura Egea/ Sevilla (ES) anhand einer Vielzahl von Studien die möglichen Zusammenhänge zwischen Diabetes mellitus bzw. Rauchen mit endodontischen Erkrankungen. In Europa haben ca. 61 Prozent der Bevölkerung sowie 14 Prozent aller Zähne eine apikale Parodontitis. Chronische Entzündungen der Mundhöhle (Parodontitis, apikale Parodontitis) sind gekennzeichnet durch gramnegative Bakterien und lokale Entzündungsmediatoren, die einen systemischen Einfluss auf den Körper ausüben könnten.

In einigen Studien konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Auftreten apikaler Parodontitiden und Diabetes mellitus beobachtet werden, in anderen war dieser wiederum nicht nachweisbar. Das Vorkommen wurzelgefüllter Zähne mit apikaler Parodontitis war bei Diabetikern größer. Wurzelgefüllte Zähne mit apikaler Parodontitis zeigten bei Diabetikern zudem eine verzögerte Heilung im Vergleich zu gesunden Individuen. Dies sollte bei der Einschätzung der Prognose einer Wurzelkanalbehandlung berücksichtigt werden.

Zahlreiche Studien kamen zu folgenden Feststellungen: Rauchen ist assoziiert mit einer höheren Prävalenz von Zähnen mit apikaler Parodontitis, von wurzelgefüllten Zähnen und einer höheren Prävalenz persistierender apikaler Parodontitiden nach Wurzelkanalbehandlung. Andere Studien konnten dies wiederum nicht belegen.

Über das Thema „Laser und Desinfektion in der Endodontie“ referierte Prof. Dr. Stefano Benedicenti/ Genua (IT). Bedingt durch die anatomische Komplexität des Wurzelkanalsystems und das Unvermögen herkömmlicher Spülmedien tief in laterale Kanäle und Ramifikationen zu penetrieren, ist die Effektivität des Debridements und der Dekontamination limitiert. Spülflüssigkeiten können ohne Aktivierung lediglich 130 µm tief in die Dentinkanälchen vordringen, Mikroorganismen jedoch bis zu 1000 µm. Ein Nd:YAG-Laser besitzt diese Reichweite von 1000 µm, einer Diodenlaser immerhin von 750 µm. Ein Erbium-Laser hat eine geringere Reichweite von nur 300 µm. Die Kombination aus Natriumhypochlorit, Laserlicht und Zitronensäure mit einer Desinfektionszeit von drei mal fünf Sekunden verbessert signifikant die antibakteriellen Effekte der Spülflüssigkeiten im Gegensatz zu jeder alleinigen Dekontaminationsmethode.

Prof. Dr. Anthony Smith/ Birmingham (UK) war mit zwei zusammengehörigen Vorträgen vertreten. Vor der Mittagspause referierte er mit dem Thema: „The Tooth, The Whole Tooth and Nothing But The Tooth“ über das System Dentin-Pulpa Einheit. Das Dentin enthält eine Vielzahl bioaktiver Moleküle (wie z.B. Matrixmoleküle, Wachstumsfaktoren und Zytokine, Neuropeptide, Plasmaproteine) die das Potential haben die pulpale Zellaktivität zu modulieren. Bioaktive Dentinchips sind für die Dentin-Pulpa-Regeneration verantwortlich – dazu gehören u.a. die Aktivierung existierender primärer Odontoblasten und die Rekrutierung pulpaler Stammzellen für die Differenzierung in odontoblastenähnliche Zellen. Kann man sich dies zunutze machen? Es gibt die Überlegungen bioaktive Moleküle durch Spüllösungen, durch Medikamente wie Calciumhydroxid oder durch die Applikation neuer bioaktiver Hydrogele freizusetzen und so die Dentinogenese zu stimulieren.

„Regenerative Endodontics – Where We Are Now and Where We Are Going” lautete sein zweites Vortragsthema. Die Pulparegeneration wird durch zwei Faktoren begünstigt: Erstens durch die Induktion einer Einblutung in die Pulpa, um Stammzellen bereitzustellen und ein Blutkoagel als Gerüst zu schaffen. Stammzellen aus der Zahnpulpa oder der apikalen Papille können durch Differenzierung in odontoblastenähnliche Zellen zu einer Pulparegeneration beitragen. Zweitens durch die Freisetzung von Wachstumsfaktoren und anderen bioaktiven Molekülen im Dentin während des Spülvorgangs einer endodontischen Behandlung. Als Spülmedium der Wahl eignet sich 17-prozentiges EDTA nach vorheriger Anwendung 1,5-prozentigen Natriumhypochlorits. Für die regenerative Endodontie seien somit folgende Überlegungen wichtig: eine geeignete Fallauswahl, die Schaffung eines infektions- und entzündungsfreien Umfeldes, eine geeignetes Spülprotokoll sowie die Verwendung bioaktiver Materialen (MTA, Biodentine).

Einen weiteren Vortrag hinsichtlich des Themas „Laser in der Endodontie“ war von Prof. Dr. Roeland J.G. De Moor /Gent (BE) zu hören. Er verglich die ultraschallaktivierte Wurzelkanalspülung mit der laseraktivierten Spülung und PIPS (Photon Induced Photoacoustic Streaming). Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass eine laseraktivierte Spülung mit dem Er:YAG-Laser den Biofilm besser entfernt als die ultraschallaktivierte Spülung.

Der letzte Vortrag des Tages von Prof. Dr. Paul Lambrechts/ Leuven (BE) beschäftigte sich mit dem Thema „External cervical resorption – the clinical treatment approach“. Durch den Einsatz der digitalen Volumentomographie ist es heute einfacher möglich externe zervikale Resorptionen zu diagnostizieren. Sie werden aus diesem Grunde auch häufiger diagnostiziert. Prof. Lambrechts erklärte den Zuhörern wie externe zervikale Resorptionen mithilfe der DVT diagnostiziert werden und sensibilisierte sie für mögliche Therapieoptionen oder ein eher abwartendes Verhalten.

Nach zwei abwechslungsreichen und wissenschaftlich anspruchsvollen Vortragstagen beendete Dr. Bijan Vahedi die Tagung und verabschiedete die Kolleginnen und Kollegen ins Wochenende.