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Member Summit 2016

2. DGET Member Summit: Endodontie von Tisch zu Tisch

Am 24. September bot sich in Düsseldorf zum 2. Mal die Gelegenheit, in persönlicher Atmosphäre sechs bewährte und neue Produkte namhafter Hersteller kennenzulernen, zu testen und Erfahrungen auszutauschen.

Die deutsche Gesellschaft für Endontologie und zahnärztliche Traumatologie e.V. hatte nach den positiven Reaktionen auf die Premiere dieses innovativen Fortbildungsformats im letzten Jahr wieder sechs Firmen und Referenten "zu Tisch" gebeten und eine limitierte Anzahl von 60 Teilnehmer eingeladen.

Nach einer konzentrierten Präsentation durch die Referenten hatte jeder Teilnehmer die Möglichkeit, die vorgestellten Geräte und Instrumente direkt am eigenen Arbeitsplatz praktisch auszuprobieren und die Eindrücke im kollegialen Gespräch mit dem Tischnachbarn, dem Aussteller und Referenten auszutauschen. Nach 45 Minuten und einer kurzen Pause ging es dann weiter zum nächsten Tisch, so dass jeder Teilnehmer am Ende der Fortbildung sechs unterschiedliche Produkte getestet hatte und den einen oder anderen Geheimtip mitnehmen konnte.

Dr. Martin Brüsehaber, Vorstandsmitglied der DGET, begrüßte die Teilnehmer, Referenten und Firmenvertreter, führte durch das Programm und sorgte humorvoll für den "rotation flow" der Gruppen.

Dr. Jürgen Wollner/ Nürnberg stellte mit dem XP-endo® Shaper ein neues Aufbereitungs-instrument der Firma FKG vor, welches durch sein schlangenförmiges Design und MaxWire® Technologie charakterisiert ist und eine Kanalpräparation von ISO 15 bis ISO 30 bei gleichzeitiger Steigerung des Tapers von .01 auf .04 ermöglicht, ohne das Instrument wechseln zu müssen. Geringes Drehmoment und hohe Flexibilität bei relativ hoher Umdrehungszahl (800-1000 U/min) minimieren den Stress auf die Kanalwand und erzeugen Turbulenzen in der Spülflüssigkeit, die den Abtransport von Debris erleichtern. Ergänzt wird der XP-endo® Shaper durch den XP-endo® Finisher, ein MaxWire®-Instrument zur chemischen Aufbereitung ohne Taper in der ISO-Größe 25 und zwei Längen (21mm/25mm). Bei Körpertemperatur entwickelt der sonst gerade XP-endo® Finisher eine Sichelform. Unter Rotation vergrößert sich seine Reichweite bis zu einem Durchmesser von 6 mm. So lassen sich auch schwer zugängliche Kanalwandbereiche bearbeiten, ohne die Kanalform zu verändern. Seine effiziente Reinigungswirkung wurde beim Einsatz im Übungsprämolaren deutlich sichtbar.

Dr. Hanjo Hecker/Basel präsentierte das neue Hyflex™ EDM - Feilensystem der Firma Coltene. Die Instrumente besitzen eine durch Funkenerosionstechnik gehärtete Oberfläche (EDM: Electrical Discharge Machining), wodurch ihre Bruchsicherheit deutlich erhöht wurde. Das Material ist elastisch verformbar, so dass sich die Spiralen unter Krafteinwirkung verlängern können und ein Einschrauben verhindert wird. Durch Wärmebehandlung (Autoklavieren) kehrt es in seine Ausgangsform zurück. Die Hyflex™ EDM - Feilen können wie beim kombinierbaren CM-System vorgebogen werden- ein Vorteil bei schwer zugänglichen oder gekrümmten Kanälen. Das feilenreduzierte System besteht aus einem Opener, einer Gleitpfad-Feile (10/.05), der formgebenden OneFile (ISO 25) und optionalen Finishing Files (40/50/60). Bei stärker gekrümmten Kanälen riet Dr. Hecker zu einer Kombination mit den Hyflex™ CM-Feilen.

Dr. Jörg Tchorz/Raubling stellte zusammen mit den Vertretern der Firma Dentsply Sirona eine noch nicht am Markt eingeführte Neuheit vor: Die erste Endodontie - spezifische 3D-Planungssoftware. Vergleichbar mit Planungssoftwares in der Implantologie ermöglicht das Programm, die endodontische Behandlung basierend auf DVT-Daten von Orthophos-Geräten vorab zu planen. Durch die 3D-Visualisierung von Kanalverläufen und Wurzelanatomien können Risikobereiche identifiziert und komplexe Fälle auch im Patientengespräch besser verständlich gemacht werden. Die Software unterstützt den Workflow, indem der Behandler im Voraus die Lage der Kanaleingänge dreidimensional erfassen und markieren kann. Die Größe, Form und Tiefe der Trepanationsöffnung werden darauf abgestimmt berechnet. Die Teilnehmer führten nach kurzer Einweisung eine Planung an einem oberen 1. Molaren durch. Nach der Längenbestimmung konnten mit Hilfe einer integrierten Feilendatenbank die passenden Aufbereitungsinstrumente ausgewählt werden. Die 3D Endo™-Software bietet eine eindrucksvolle graphische Darstellung und mehr Sicherheit bei der Einschätzung komplexer Fälle. Um ihr Potential als Workflow-Optimierung nutzen zu können, ist trotz intuitiver Menüführung etwas Übung erforderlich und ihr Einsatzbereich im Endodontie-Schwerpunkt angesiedelt.

Nils Widera/Leipzig demonstrierte das aktuelle Feilen-Sortiment der Firma Komet und wies praxisnah auf die Eigenschaften und Anwendungsgebiete der verschieden Instrumente hin. Nach primärer Sondierung mit einer manuellen Feile (ISO 10) kann mit dem Komet Opener und dem PathGlider die initiale Eingangserweiterung und die obligate Schaffung eines Gleitpfades für die nachfolgenden Instrumente in zwei Schritten erreicht werden. Der sehr flexible PathGlider folgt dem Kanalverlauf und schafft mit seiner dreiprozentigen Konizität einen schonenden Übergang für maschinelle Feilensysteme. Das Risiko einer Kanalverlagerung oder Stufenbildung in der initialen Phase wird so reduziert. Neben den Feilensystemen R6 (reziprokes 1-Feilensystem), F360 und F6 wurde der Endo-Motor mit Apexlocator von Komet (Schlumbohm Endo Pilot) mit seinen vorprogrammierten und individuellen Einstellungsmöglichkeiten vorgestellt.

Dr. Tomas Lang/Essen präsentierte mit der Self-Adjusting-File einen gänzlich neuen Ansatz für die chemomechanische Aufbereitung von Wurzelkanälen. Das von ReDentNOVA entwickelte Aufbereitungssystem basiert auf dem Einsatz eines modifizierten Stents. Dieser speziell geformte Hohlzylinder weist eine abrasive Oberfläche auf und ist entlang seines Querschnittes elastisch komprimierbar. Auf diese Weise kann dieses Instrument in einen Wurzelkanal eingebracht werden, der mindestens bis zur ISO-Größe 20 aufbereitet wurde. Das in das Kanallumen eingebrachte Instrument wird über eine vertikale Vibration (0,4mm Hub bei 5000rpm) und eine „slow low-torque rotation“ (Rutschkupplungs-Mechanismus) aktiviert. Die durch die Komprimierung gespeicherte Energie wird während des Aufbereitungsprozesses über einen leichten, kontinuierlichen Druck an die gesamte Wurzelkanalwand abgegeben und resultiert in einer sukzessiven Ausdehnung des Instrumentes und damit einer Erweiterung des Wurzelkanallumens. Während des gesamten Aufbereitungsprozesses erfolgt eine kontinuierliche Spülung des Kanalsystems. Im Rahmen der Präsentation war die sehr anschauliche Aufbereitung von Trainingsblöckchen möglich.

Priv. Doz. Dr. David Sonntag/Düsseldorf stellte mit der „Reciproc® blue“ die nächste Generation reziprokierender Feilensysteme vor. Während die Vor- und Nachteile des Einsatzes von endodontischen Aufbereitungsinstrumenten in reziproker Bewegung in den letzten Jahren bereits umfangreich wissenschaftlich beleuchtet wurden, bringt VDW mit der Reciproc® blue ein weiterentwickeltes Reciproc-Instrument auf den Markt. Durch eine Wärmebehandlung der Instrumentenlegierung resultiert das namengebende Blue Alloy. Die veränderten Materialeigenschaften erlauben das Vorbiegen des Instrumentes und versprechen nochmals verbesserte mechanische Eigenschaften, wie einen erhöhten Widerstand gegen zyklische Ermüdung und eine verbesserte Flexibilität. Alle Teilnehmer konnten sich von den veränderten Eigenschaften im direkten Vergleich während der Aufbereitung von Trainings-blöckchen überzeugen.

Das 2. Member Summit wurde geprägt durch seinen praxisorientierten Charakter mit der Kombination aus Produktpräsentation und zwanglosen Anwenderberichten der erfahrenen Referenten. Durch die  Möglichkeit, an einem Fortbildungstag sechs Produkte im "Speed-hands- on" anfassen und miteinander vergleichen zu können, entstand das Gefühl von einem "Koch-Event" für Endo- interessierte Kollegen, bei der man von Herd zu Herd gehen, in die Töpfe schauen und probieren durfte.

Dr. Kristina Weber

 

Teilnehmerstimmen:

„Man kann nur wünschen,daß diese spezielle Art der Fortbildung ein fester Bestandteil der DGET Fortbildungsfamilie bleibt.“
Dr. Richard A. Hilger, Düsseldorf

Das 2. DGET member summit in Düsseldorf empfand ich als ausgesprochen interessant und informativ. Äußerst positiv war für mich die Gelegenheit, das Equipment quasi im Direktvergleich gegeneinander zu testen. Dies in einer Intensität, die ich niemals bisher auf Kongressen oder anderen Fortbildungs-veranstaltungen erfahren durfte. Der unmittelbare enge Kontakt zu den einzelnen Referenten durch die überschaubare Zahl der Teilnehmer in den einzelnen Gruppen ermöglichte einen sehr intensiven fachlichen Austausch und das sehr gute Eingehen auf Fragen der Teilnehmer. Nebenbei war auch - wie immer auf solchen Veranstaltungen - das kollegiale Gespräch der Teilnehmer untereinander wertvoll. Die Rahmenbedingungen der Veranstaltung waren exzellent, sehr viel Platz (lediglich das Licht an den Arbeitsplätzen hätte besser sein können), ein sehr gutes Catering vom Hilton-Hotel und sehr hilfsbereite Industrievertreter. Insgesamt eine Top-Veranstaltung, top organisiert von Oemus-media und top informativ!“

Dr. Carsten Franke, Koblenz